Fondo Leoncavallo
Biographie
Ruggero Leoncavallo kam am 23. April 1857 in Neapel in einer kunstaffinen Juristen- und Gelehrtenfamilie zur Welt. Bedingt durch den Beruf seines Vaters, eines Staatsanwalts, verbrachte er seine Kindheit in Kalabrien, erst mit seiner Rückkehr nach Neapel 1868 begann Leoncavallo seine Musikstudien am dortigen Konservatorium. Im Jahr 1877 hielt er sich in Bologna auf, wo er Vorlesungen des Dichters und Philologen Giosuè Carducci an der Universität besuchte, ohne allerdings einen Abschluss zu machen. Ein Onkel, der im ägyptischen Alexandria lebte, bot ihm 1879 die Möglichkeit zu einem längeren Aufenthalt an der afrikanischen Küste, bis er 1882 schliesslich beschloss, sein Glück in Paris zu versuchen. Doch die Anerkennung als Musiker liess auf sich warten; nach sechs Jahren kehrte er nach Italien zurück und liess sich in Mailand nieder.
Der Erfolg der Cavalleria rusticana des jüngeren Pietro Mascagni im Jahr 1890 veranlasste Leoncavallo, eine ähnliche Oper zu konzipieren, die Kürze mit dramaturgischer Dichte verbindet, und die mit ihrer überschaubaren Besetzung relativ leicht aufführbar ist. Pagliacci, ein “Drama in zwei Akten”, wurde am 21. Mai 1892 im Teatro Dal Verme in Mailand uraufgeführt. Der plötzliche künstlerische Triumph machte Leoncavallo in kürzester Zeit weltberühmt. Seine folgenden Opern, Chatterton (1896) und La Bohème (1897), konnten sich jedoch nicht durchsetzen. Nur Zazà (1900) eroberte sich einen Platz im Repertoire, auch im Ausland, und wurde mehrere Jahrzehnte lang gespielt. International gefragt waren zudem seine zahlreichen Salonlieder; einige davon gehören zu den ersten grossen Erfolgen der Schallplattenindustrie.
Der weltweite Ruhm erlaubte Leoncavallo einen gehobenen Lebensstil. 1905 liess er sich in Brissago, auf der Schweizer Seite des Lago Maggiore, wo er seit 1897 lebte, eine spektakuläre Villa errichten. Der Roland von Berlin (1904), eine vom deutschen Kaiser Wilhelm II. in Auftrag gegebene Oper, brachte ihn nochmals ins internationale Rampenlicht, ebenso wie eine ausgedehnte Tournee durch die Vereinigten Staaten von Amerika und Kanada (1906). Eine breitere künstlerische Anerkennung blieb nun allerdings aus. Auch mit Maià (1910), Zingari (1912) und Mameli (1916) gelang es Leoncavallo nicht, seinen früheren Erfolg zu wiederholen, was schliesslich auch wirtschaftliche Konsequenzen hatte. Mit den Operetten Malbruk (1910) und La reginetta delle rose (1912) erzielte er noch einige Aufmerksamkeit. Im Jahr 1916 war er jedoch gezwungen, seine Villa zu verkaufen, und zog sich in die Toskana zurück. An Diabetes leidend verbrachte Leoncavallo seine letzten Jahre bei schwacher Gesundheit. Er starb am 9. August 1919 in Montecatini, im Alter von 62 Jahren.
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